Juli

  Michael Thieke - Klarinette/Komposition

Maya M. Carroll - Choreografie/Tanz

Biliana Voutchkova - Violine

Roy Carroll - Electronics/Komposition

Sarah Marguier - Kostüm- und Bühnenbild
 

Unschärfe
Das Stück beschäftigt sich mit dem Phänomen Unschärfe in seinen musi- kalischen, tänzerischen und gestalterischen Dimensionen. Unschärfe erzeugt Leerstellen, die als Auslösemomente für das Ergänzen durch subjektive Festlegungen dienen, die über den eigentlichen Gegenstand der Ausein- andersetzung hinausgehen. Unschärfe ist eine Form der Ungenauigkeit, Unbestimmtheit, Ungewissheit bei der Abbildung beziehungsweise Wieder- gabe eines Objekts oder Sachverhalts. Sie ist nicht zwangsläufig ein Fehler, sondern kann erwünscht oder unvermeidlich sein. Der Unschärfe fehlt die Kantenschärfe und der abrupte Übergang von hell zu dunkel. Die Unschärfe ist der enorme Raum zwischen dem Deutlichen und dem Nichtsehen beim Lesen eines Textes oder sie kann das Ergebnis der Beeinflussung einer Messung durch Beobachtung sein.
In der bildenden Kunst wird Unschärfe schon seit langer Zeit als Ausdrucks-mittel benutzt, von Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ bis zu Gerhard Richters Zyklus „18. Oktober 1977“. In der Fotografie findet sich die Un- schärfe als Stilmittel bereits seit den Anfängen des Mediums, benutzt in so unterschiedlichen Zusammenhängen wie von den Futuristen um Anton Bragaglia, in den Portraits von Edward Steichen, der Chronofotografie von Etienne Jules Marey, den Tanzportraits der Tänzerin Loie Fuller oder in verschiedener Weise in der Arbeit des Fotografen Thomas Ruff. Ruff arbeitet zum Beispiel mit Nachtsicht- und Überwachungskameras und mit aus dem Internet gesammelten Material. In der Werbung wird Unschärfe häufig als Sinnbild der Bewegung und Dynamik verwendet, in der journalistischen Fotografie vermittelt sie besondere Authentizität.

Der Workshop widmet sich der Forschung nach dem Element der Unschärfe in Klang und Bewegung. Felder, in denen das Phänomen bisher keine solch prominente Rolle spielte wie in der Fotografie oder der Malerei. Aus dieser Erkenntnis und bezugnehmend auf Einflüsse aus diesen Feldern entstand die Idee, zusammen eine Tanzperformance zu entwickeln, bei dem Choreo-graphie, Musik und Bühnenbild/Kostüm in einem kollektiven Prozess erarbeitet werden, eine Performance, die sich mit dem Phänomen der Unschärfe in seinen musikalischen, tänzerischen und gestalterischen Dimensionen auseinandersetzt.
Die Musiker Michael Thieke (Klarinette), Biliana Voutchkova (Violine), Roy Carroll (electronics), die Tänzerin Maya M. Carroll und die Kostüm- und Bühnenbildnerin Sarah Marguier arbeiten bereits seit einigen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen zusammen, u.a. im Berliner Splitter Orchester. Es existieren die Duos Thieke/Voutchkova und Thieke/Carroll. Roy und Maya M. Carroll entwickelten eine Vielzahl von Tanzperformances gemeinsam, eine davon, das Stück Magic Valley, entstand in Zusammenarbeit mit Sarah Marguier. Die beiden arbeiten auch mit Biliana Voutchkova in improvisierten Tanz/Musik-Zusammenhängen.
Michael Thieke und Roy Carroll arbeiten seit Jahren als Composer/Performer in der experimentellen Musikszene Berlins und sind international auf zahlreichen Festivals und Plattenveröffentlichungen zu hören. Biliana Voutchkova ist ebenfalls Teil dieser Szene und zudem auch als Interpretin zeitgenössischer Musik sehr gefragt, u.a. als Gast des Ensembles „Das neue Ensemble Hannover“ und „Kaleidoskop“. Sarah Marguier arbeitet nach Abschluß ihrer Studien in Paris und Chicago als freischaffende Kostüm- und Setdesignerin und Maya M. Carroll hat neben zahlreichen Engagements in renommierten Tanzcompagnien eine Reihe eigener Choreographien erarbeitet.

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