Geschichte des Hauses



Das Künstlerhaus Lukas gehört zu den ältesten Künstlerhäusern Deutschlands. Vor mehr als ein- hundert Jahren wurde das heutige Künstlerhaus Lukas vom Mitbegründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop, dem Maler Paul Müller-Kaempff, als Pensions- und Atelierhaus für seine Mal- schülerinnen errichtet und nach dem Schutzpatron der Bildenden Künstler "St. Lucas" benannt. Das Haus stand zwischen 1895 und 1914 vor allem angehenden Künstlerinnen offen, denen die Ausbildung von den Kunstakademien damals noch verwehrt gewesen ist.

Müller-Kaempff betrieb diese Künstlerinnen-Pension bis 1908 selbst. Zwischen 1908 und 1914 ver- pachtete er "St. Lucas" an Frau von Schack aus Schwerin, die sich damals mit "Fräulein" anreden ließ und die wie der Heimatforscher Friedrich Schulz ermitteln konnte das Haus ausgezeichnet führte. Nachdem die nächste Pächterin das Haus recht glücklos durch die Jahre des Ersten Welt-kriegs gebracht hatte, verkaufte es Müller-Kaempff an den Friseur Bernhard Saatmann. Der neue Eigentümer richtete im Haus einen Friseursalon ein und betrieb daneben das "St. Lucas" unter diesem Namen weiter als eine bei bildenden Künstlern und Schriftstellern äußerst beliebte Pension. In den Jahren 1944/45 fanden in dem Haus viele Kriegsflüchtlinge eine erste Unterkunft. 1946 er- öffnete Familie Saatmann erneut den Pensionsbetrieb; und wiederum waren es viele Künstlerinnen und Künstler, die sich im "St. Lucas" einmieteten. Den Friseursalon führte Saatmann bis zu seinem Tode im Jahre 1966 weiter. Doch die Leitung des Pensionsbetriebs übernahm bereits im Jahr 1959 das Ministerium für Kultur der DDR. Erst im Mai 1979 ging das "Haus Lukas", dem inzwischen die Heiligkeit abhanden gekommen war, in das Eigentum des Kulturfonds der DDR über. Seitdem wurde es bis 1990 ausschließlich als Erholungsheim für Kunstschaffende der DDR genutzt.

Ahrenshoop, zwischen den Städten Rostock und Stralsund auf dem Fischland, dem schmalen Streifen zwischen Ostsee und Bodden zur Halbinsel Darß und Zingst gelegen, war längst bekannt durch die Künstler, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt hatten: Anna Gerresheim, Paul Müller-Kaempff, Elisabeth von Eicken, Theobald Schorn u. a. Sie begründeten die bis heute lebende Tradition Ahrenshoops als Kunstort. Die reizvolle Landschaft, die historischen Stätten der ersten Künstlergeneration zogen immer wieder Künstler an. Auch wenn nicht gänzlich geklärt ist, wer Ahrenshoop zum Bad der Kulturschaffenden machte, gehörte der Gründer des Kulturbundes, der Dichter Johannes R. Becher zu denen, die dem Ort zu DDR-Zeiten den Ruf als "Bad der Intelligenz" eingebracht haben.

Nach der Einigung Deutschlands sorgte die 1990 errichtete Stiftung Kulturfonds als Rechtsnach-folgerin des Kulturfonds der DDR dafür, dass ab Sommer 1994 das Künstlerhaus Lukas Arbeits-stätte für Künstlerinnen und Künstlern nunmehr aus ganz Deutschland wurde.

Zwischen den Frühsommern 1994 und 1996 leitete die Theaterwissenschaftlerin Ursula Hahlweg- Elchlepp das Künstlerhaus, das zunächst unter dem Namen "Künstlerhaus 'Haus Lukas'" firmierte. In diesen Jahren entstanden erste Zusammenarbeiten mit den anderen ortsansässigen Kunsthäusern. Auch der zur Tradition gewordene "Tag der offenen Tür" wurde damals geboren. Durch erste Ausstellungskooperationen und die monatliche Öffnung der Ateliers konnten von nun an Einblicke in die Arbeit der Stipendiatinnen und Stipendiaten genommen werden.

Der ersten Leiterin folgte für ein knappes Jahr die Literaturwissenschaftlerin Gwendolyn Mertz, die für eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Institutionen in Ahrenshoop und generell im Großraum Rostock sorgte, damit die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Künstler-hauses Lukas über die "Tage der offenen Tür" hinaus Möglichkeiten erhielten, in Ausstellungen, Konzerten und Lesungen ihr künstlerisches Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Für ein Jahr musste 1997/98 das Künstlerhaus Lukas geschlossen werden, um von Grund auf renoviert zu werden. Jedes der fünf Appartements bekam Bad und WC, die Gemeinschaftsküche wurde vollkommen erneuert, der Gemeinschaftsraum wurde mit einer Bibliothek und einem Klavier ausgestattet, und im Tiefgeschoss wurde der Boden eines Arbeitsraums abgesenkt, damit darin eine Bildhauerwerkstatt eingerichtet werden konnte.

Im Sommer 1998 übernahm die Bildende Künstlerin Inga Rensch für fünf Jahre die Leitung des wiedereröffneten Künstlerhauses Lukas. Unter ihrer Leitung wurde die Einbeziehung von Künstler- innen und Künstlern auf die Länder rund um die Ostsee erweitert. Die spartenübergreifende Arbeit fand ihren besonderen Ausdruck in der Gründung der EDITION HOHES UFER AHRENSHOOP, die in Nachfolge der Edition Kunsthaus Guttenberg gemeinsam mit dem Neuen Kunsthaus Ahrenshoop gegründet worden ist. Wanderausstellungen, die in Verbindung mit dem Neuen Kunsthaus Ahrenshoop entstanden sind, kleine Ausstellungen im eigenen Haus und eine enge Zusammenarbeit mit dem Schweriner Filmkunstfest kamen neu hinzu und beförderten die spartenübergreifende Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit. Etwas mehr als ein Jahr leitete die Literaturwissenschaftlerin Ursula Vogel das Haus. In dieser Zeit entstand die Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Kuhtor in Rostock.

Im Dezember 2004 musste die Stiftung Kulturfonds ihre Fördertätigkeit beenden und das Künstler- haus Lukas schließen. Im Jahr 2005 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern das Haus übernommen, um die internationale und spartenübergreifende Künstlerförderung fortsetzen zu können. Die künstlerische Leitung des Künstlerhauses Lukas ist dem Verein "Künstlerhaus Ahrenshoop" übertragen worden, der ab Februar 2006 die bewährte Arbeit in erweiterter Form mit neuen Kooperationspartnern fortsetzt. Für den Erhalt des Gebäudes sorgt nunmehr die Gemeinde Ahrenshoop.

Der Verein "Künstlerhaus Ahrenshoop" ist aus dem Verein "Kunsthaus", der seit 1998 das Neue Kunsthaus Ahrenshoop betrieben hat, hervorgegangen. Dank des Erhalts und der Fortführung der erfolgreichen Arbeit beider Institutionen  Künstlerhaus Lukas und Neues Kunsthaus Ahrenshoop  wird die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Tendenzen in Ahrenshoop weiterhin äußerst intensiv zu betreiben sein. Durch ein erweitertes Konzept stehen Landes- und internationale Förderung der zeitgenössischen Künste in einer einander anregenden Nachbarschaft und ermöglichen regionale, internationale und spartenübergreifende Zusammenarbeiten.

Die reizvolle Landschaft, die historischen Stätten der ersten Künstlergeneration, die Spuren von Künstlerpersönlichkeiten wie George Grosz, Johannes R. Becher, Edmund Kesting, Uwe Johnson oder Hans Kinder in den wechselvollen Jahren danach sowie zahlreiche seit 1990 sehr aktive
Kunsthäuser und Galerien wie der Kunstkaten, das Neue Kunsthaus Ahrenshoop, die Galerie Peters-Barenbrock, die Strandhalle oder das Dornenhaus ziehen jährlich viele Besucher in die einstige Künstlerkolonie und das heutige Ostseebad.

Das Künstlerhaus Lukas hat daran Anteil, weil Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Kunstsparten sowie aus verschiedenen Ländern zeitweise im Ort wohnen und arbeiten und ihre aktuellen Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit zeigen können.


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