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Die Künstlerkolonie und der Künstlerort Ahrenshoop blicken auf eine über einhundertjährige Geschichte zurück. 1892 errichtete Paul Müller-Kaempff das erste Malerhaus in Ahrenshoop. Er gilt damit als der Begründer der Künstlerkolonie, selbst wenn die Maler Carl Malchin und Anna Gerresheim bereits vor ihm auf dem Darß gearbeitet haben sollten. Ihnen folgten in den Gründerjahren mit Elisabeth von Eicken, Fritz Grebe, Heinrich Schlotermann, Theobald Schorn, Friedrich Wachenhusen u. a. zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die ebenfalls dem besonderen Zauber der Landschaft erlagen.

Nach der Gründergeneration kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Künstler des "Blauen Reiter", der "Brücke" und der "Novembergruppe", die die Moderne an den schmalen Küstenstrich zwischen Meer und Bodden brachten. Sie ließen sich nicht mehr dauerhaft in Ahrenshoop nieder.

Sie nutzen den Ort und die Nachbardörfer meist in den Sommermonaten. Das Wechselspiel der Natur war auch für sie Anregung und ging in ihre Werke ein. Sie begründeten damit eine Entwicklung, die Ausdruck der mobiler gewordenen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts war. Sie führte dazu, dass aus der Künstlerkolonie ein offener Künstlerort geworden ist, in dem sich die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. So besuchte auch George Grosz mehrfach den Darß, um hier beispielsweise auf Otto Dix oder Max Pechstein zu treffen.

Die entlegene, großstadtferne Küstenregion war zudem in den Jahren des "Dritten Reiches" von 1933 bis 1945 und danach in den Jahren der DDR bis 1989 ein Rückzugsort für Intellektuelle und Künstler, die jenseits doktrinärer Beeinflussung arbeiten wollten. So lebte hier der Bildhauer Gerhard Marcks nach seiner Entlassung als Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein von 1933 bis 1946. Und der Maler Max Schwimmer suchte in Folge der Formalismusdebatte und der Aufgabe seines Lehramtes Anfang der 50er Jahre die Nähe zum befreundeten Theodor Schulze-Jasmer im benachbarten Prerow.

Die Regierung der DDR machte Ahrenshoop zum Bad der Kulturschaffenden. Es war der Kulturbund mit dem Dichter Johannes R. Becher, dem Pastor Karl Kleinschmidt aus Schwerin und dem Schriftsteller Willi Bredel, der nach 1945 Ahrenshoop für sich entdeckte und den Ort zu seinem Sommerzentrum gemacht hat. Der Schriftsteller Uwe Johnson lässt in seinem Roman "Jahrestage" die Hauptfigur Gesine Cresspahl sagen: "Den Intellektuellen der Zone wurde das Fischland zugeteilt wie eine Medizin, nach 14 Tagen mussten sie Platz machen." Ahrenshoop wuchs zu einem beliebten Urlaubsziel vieler Intellektueller und Künstler und war somit stets ein Ort interessanter Begegnungen und Diskussionen.

Heute findet sich zeitgenössische Kunst unterschiedlichster Programmatik in zahlreichen Galerien, Ausstellungs- und Veranstaltungshäusern: Kunstkaten, Künstlerhaus Lukas, Neues Kunsthaus Ahrenshoop, Galerie Peters-Barenbrock, Dornenhaus, Strandhalle  das sind Orte einer lebendigen Auseinandersetzung über und um die Künste. Die Pluralität und das wechselseitige Tolerieren unter- schiedlicher ästhetischer Anschauungen zeichnen Ahrenshoop aus. Ein Museum befindet sich in Gründung, das sich eine systematische kunstwissenschaftliche Aufarbeitung vergangener Entwicklungen und Sammlungen zur Aufgabe machen wird und ein ständiger Ausstellungsort für die wechselvolle Geschichte des Künstlerdorfs werden soll.

Das Künstlerhaus Lukas hat in über 100 Jahren diese Geschichte mitgeschrieben. Von seinen Anfängen bis zu einem besonders lebendigen Heute seit 1994 berichten die weiteren Seiten in dem Abschnitt Archiv.

Abbildungen: Paul Müller-Kaempff  "Netzboot auf blühender Düne" (links),
Cornelia Groß Ausschnitt aus "der ferne Krieg" (rechts)


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